Achim am Grill

Kontinuierliche Messung der Glukose

Glukose-Check Ihrer Ernährung

Wissen, was wirklich passiert: Ein CGM-System nimmt Ihre Mahlzeiten unter die Lupe. So erkennen Sie sofort, welche Auswirkungen verschiedene Lebensmittel auf Ihre Glukosewerte haben – oft mit überraschenden Ergebnissen.

Mithilfe dieses Kapitels können Sie lernen, mit welchen praktischen Übungen (Gluco-Checks) Sie herausfinden können, welche Nahrungsmittel Ihre Glukosewerte besonders stark ansteigen lassen und welche Alternativen es gibt, um diese Anstiege zu minimieren.

 

Wahrscheinlich wissen Sie bereits, dass die Glukosewerte ansteigen, wenn Sie Kohlenhydrate essen oder trinken. Mit CGM können Sie genau beobachten, welche Auswirkungen verschiedene Nahrungsmittel oder Mahlzeiten auf Ihre Glukosewerte haben. Mithilfe von CGM können Sie sehen, was in Ihrem Körper passiert:

  • Wie schnell steigen die Glukosewerte an?
  • Wie hoch ist der Anstieg?
  • Wie lange dauert es, bis die Glukosewerte wieder abfallen?
  • Wie unterscheiden sich verschiedene Nahrungsmittel in Bezug auf die Glukosewerte?
  • Wie unterscheiden sich die Glukosewerte, wenn Sie die Reihenfolge der Nahrungsmittel ändern?

Dieser Erkenntnisse helfen Ihnen dabei, zu lernen, welche Nahrungsmittel Ihre Glukosewerte besonders stark ansteigen lassen und welche Alternativen es gibt, um die Glukoseanstiege zu minimieren. Sie können auch erkennen, wie sättigend unterschiedliche Nahrungsmittel sind und wie lange das Sättigungsgefühl anhält.

Glukoseanstiege nach dem Essen richtig interpretieren

Es ist ganz normal, dass die Glukosewerte ansteigen, wenn Sie Kohlenhydrate essen oder trinken – das passierte auch bei Menschen ohne Diabetes. Daher werden Sie in der Regel auch einen steigenden Trendpfeil angezeigt bekommen. Die Glukosewerte sollten allerdings nach einer gewissen Zeit den Ausgangswert vor dem Essen wieder erreichen. In der folgenden Tabelle: So können Sie erkennen, ob die Glukoseverläufe nach dem Essen in Ordnung oder verbesserungswürdig sind.

Glukoseanstieg ist in Ordnung:

  • Der Glukosewert steigt nicht über den Glukosewert von 180 mg/dL bzw. 10,0 mmol/L.
  • Der Glukoseanstieg nach dem Essen ist nicht über 60 mg/dL bzw. 3,3 mmol/L.
  • 3 Stunden nach dem Essen liegt der Glukosewert ähnlich wie vor dem Essen.

Glukoseanstieg verbesserungswürdig:

  • Der Glukosewert steigt über den Glukosewert von 180 mg/dL bzw. 10,0 mmol/L an.
  • Der Glukoseanstieg nach dem Essen liegt über 60 mg/dL bzw. 3,3 mmol/L.
  • 3 Stunden nach dem Essen liegt der Glukosewert noch immer höher als vor dem Essen.

Eigene Erfahrungen sammeln

Seit es das CGM gibt, ist es möglich, den Einfluss verschiedener Nahrungsmittel und Mahlzeiten genauer zu untersuchen. Die wichtigste Erkenntnis dabei ist, dass die Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel und Mahlzeiten bei jedem Menschen ein wenig anders ausfällt. Mit CGM können Sie Ihren persönlichen Glukoseverlauf ansehen, Muster erkennen und eigene Schlussfolgerungen ziehen. Dazu ist es sinnvoll, verschiedene Nahrungsmittel und Ernährungsweisen gezielt auszuprobieren. So können Sie erkennen, welche Nahrungsmittel zu günstigen bzw. ungünstigen Glukoseverläufen führen und wie Ihr Sättigungsgefühl ausfällt. Dies kann Ihnen als Ansatzpunkt dienen, um Ihre Glukosewerte durch eine veränderte Ernährung zu verbessern.

  • Verstehen: Durch CGM wird sichtbar, wie sich verschiedene Nahrungsmittel auf die Glukose auswirken. Schauen Sie sich nach einer Mahlzeit Ihren Glukoseverlauf an und entscheiden Sie, ob er in Ordnung ist oder verbessert werden sollte.
  • Ausprobieren: Testen Sie die Auswirkungen verschiedener Nahrungsmittel auf Ihren Glukoseverlauf. Erkunden Sie, wie die Glukoseantwort auf verschiedene Nahrungsmittel oder Gerichte ausfällt.
  • Lernen: Erkennen Sie, welche Nahrungsmittel zu günstigen bzw. ungünstigen Glukoseverläufen führen.
  • Anpassen: Durch veränderte Ernährungsgewohnheiten können Sie günstige Glukoseverläufe erzielen. Entscheiden Sie schließlich, ob und welche Ihrer Ernährungsgewohnheiten Sie aufgrund Ihrer Glukoseverläufe anpassen möchten.

Beispiele für „Glukose-Checks“

Hier sind einige Beispiele dafür, wie Sie diese „Glukose-Checks“ in Bezug auf Ihre Ernährung durchführen können. Tauschen Sie einen Bestandteil einer typischen Mahlzeit aus und lassen Sie die anderen Bestandteile unverändert, um zu verstehen, welchen Einfluss dieser eine Bestandteil auf Ihren Glukoseverlauf hat. Beobachten Sie anschließend den Unterschied beim Glukoseanstieg nach dem Essen. Versuchen Sie nicht, alles auf einmal anzupassen oder zu ändern. Ersetzen Sie zunächst einzelne Nahrungsbestandteile und beobachten Sie, welche Auswirkungen diese Änderungen auf Ihren Glukoseverlauf haben.

Frühstück

Amira probiert Obst statt Obstsäfte

Amiria liebt es, zum Frühstück einen Obstsaft zu trinken.

  • Erkennen: Sie stellt fest, dass ihre Glukose nach dem Frühstück immer sehr schnell und stark ansteigt.
  • Ausprobieren: Sie ersetzt den Obstsaft durch frisches Obst.
  • Lernen: Sie ist erstaunt, wie groß der Unterschied im Glukoseanstieg der beiden Lebensmittel ist. Das frische Obst führt bei ihr zu einem deutlich geringeren Glukoseanstieg als der Obstsaft.
  • Anpassen: Sie möchte nun häufiger zum Frühstück frisches Obst essen, statt Obstsaft zu trinken.
Adrian probiert Haferflocken und Müsli

Adrian isst gerne ein Fertigmüsli zum Frühstück.

  • Erkennen: Er ist erstaunt, wie stark seine Glukose ansteigt und wie lang es dauert, bis sie wieder im Zielbereich ist.
  • Ausprobieren: Statt seines üblichen Fertigmüslis probiert er es mal mit Haferflocken und frischen Beeren aus.
  • Lernen: Er beobachtet, dass die Glukose zwar auch ansteigt, aber deutlich geringer als beim Fertigmüsli.
  • Anpassen: Er nimmt sich vor, öfter Alternativen zum Fertigmüsli zu essen.

Mittagessen

Susanne isst weniger Kohlenhydrate

Susanne liebt ein ausgiebiges Mittagessen. Sehr gerne isst sie Nudelgerichte. An einem Tag kam ein wichtiger Termin dazwischen und sie musste ihr Mittagessen unterbrechen.

  • Erkennen und bereits ausprobiert: Sie war überrascht, wie deutlich geringer der Glukoseanstieg bei geringeren Mengen von Kohlenhydraten war.
  • Lernen: Sie erkennt, dass die Menge der gegessenen Kohlenhydrate den Glukoseanstieg steuert.
  • Anpassen: Sie überlegt in Zukunft weniger Kohlenhydrate zum Mittagessen zu sich zu nehmen und diese eher durch kohlenhydratarme Beilagen (z. B. Gemüse) zu ersetzen.
Frank ist ein Fan von Fast-food

Frank hat einen stressigen Job und geht mittags nur kurz zum Imbiss.

  • Erkennen: Nach dem Verzehr einer Pizza steigt seine Glukose sehr spät, dafür aber sehr stark und lang anhaltend an.
  • Ausprobieren: Er möchte wissen, wie die anderen Gerichte auf der Speisekarte die Glukose steuern. Seine Wahl fällt auf die Currywurst mit Pommes.
  • Lernen: Currywurst mit Pommes führen zu einem deutlich geringeren Glukoseanstieg als die Pizza.
  • Anpassen: Er will noch weitere Gerichte testen, um herauszufinden, welche Mahlzeiten sich besonders günstig auf seinen Glukoseverlauf auswirken.

Abendessen

Eric testet unterschiedliche Brotsorten

Anhand der CGM-Kurven vergleicht Eric den Einfluss verschiedener Brotsorten auf seine Glukosewerte.

  • Erkennen: Der Weizentoast führt zu einem starken Glukoseanstieg.
  • Ausprobieren: Zur Brotzeit probiert Eric gerne verschiedene Brotsorten aus: Heute probiert er Dinkelbrot.
  • Lernen: Das Dinkelbrot führt bei Eric zwar zu einem deutlich geringeren Glukoseanstieg als der Weizentoast, dafür bleibt die Glukose länger erhöht.
  • Anpassen: Als Nächstes möchte Eric Roggenbrot ausprobieren und auch diese Glukosekurve mit den anderen Brotsorten vergleichen.
Josef tauscht die Reihenfolge der ­Mahlzeiten

Josef isst abends fast immer eine Brotzeit. Heute gibt es Schinkenbrot, Eier und Käsewürfel.

  • Erkennen: Aus Gewohnheit isst er immer seine Schinkenbrote zuerst, dann ein Ei und als Abschluss ein paar Käsewürfel.
  • Ausprobieren: Sein Diabetesteam hat ihm geraten, mal mit dem Ei und dem Käse anzufangen.
  • Lernen: Er war überrascht, dass die Glukosekurven deutlich anders verliefen, obwohl er sonst nichts geändert hat.
  • Anpassen: Für Josef ist es keine große Umstellung, da er alles wie gewohnt essen kann. Die Reihenfolge anzupassen, stört ihn nicht und will er in Zukunft so beibehalten.

Den Zusammenhang zwischen Ernährung und Glukoseverläufen mit CGM gezielt erkunden

CGM ist ein sehr hilfreiches Werkzeug, um sich näher mit der eigenen Ernährung auseinanderzusetzen. Sicher werden Sie mit CGM einige „Aha-Momente“ erleben, denn die Glukoseverläufe bei verschiedenen Nahrungsmitteln und Gerichten können sehr unterschiedlich sein. Es ist auch schön zu sehen, dass Sie es selbst in der Hand haben, Ihre Glukosewerte durch die Art der Ernährung positiv zu beeinflussen. Die Nutzung von CGM sollte jedoch nicht zu einer zwanghaften Beschäftigung mit Ihren Glukoseverläufen nach dem Essen führen. Denn langfristige Veränderungen Ihrer Ernährungsgewohnheiten gelingen nur, wenn Sie die Freude am Essen nicht verlieren. Eine Anpassung sollte immer auch zu Ihrem Alltag passen. Bedenken Sie auch, dass der Glukoseverlauf von ein und derselben Mahlzeit von Tag zu Tag unterschiedlich ausfallen kann. Deshalb sollten Sie nicht vorschnell auf bestimmte Lebensmittel verzichten, nur weil diese einmal zu einem höheren Glukoseanstieg geführt haben.

Weitere Tipps für Glukose-Checks der Ernährung

  • Austausch der Kohlenhydrate
    – z.B. Roggen- statt Weizenbrot
    – z.B. Kartoffeln statt Nudeln
  • Austausch durch Ballaststoffe
    – z.B. Linsen statt Reis
  • – z.B. Kichererbsen statt Kartoffeln
  • Austausch der Reihenfolge
    – z.B. zuerst eiweiß-/fetthaltige dann kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel
    – z.B. vor dem Essen einen Salat essen Austausch der Zubereitungsart
    – z.B. Nudeln am Vortag kochen, abkühlen lassen (24 h) und dann erwärmen
  • Austausch der Menge an Kohlenhydraten
    – z.B. halbe Portion statt der üblichen Portion essen

Testen Sie Ihr Wissen

Was können Sie mit einem CGM-System nach einer Mahlzeit beobachten?
 
 
 
Welcher Glukoseanstieg nach einer Mahlzeit ist in Ordnung und nicht verbesserungswürdig?
 
 
 
Warum kann es sinnvoll sein, die Reihenfolge der Nahrungsmittel zu variieren?
 
 
 
Welche Auswirkung kann der Austausch von Kohlenhydraten auf den Glukoseverlauf haben?
 
 
 
Wie sollten Glukose-Checks mit CGM genutzt werden, um den persönlichen Glukoseverlauf zu verstehen?